Verschiedene Örgelis klingen trotz ähnlicher Stimmung unterschiedlich – der Grund liegt im verwendeten Material. Deshalb habe ich beschlossen, den Deckel auf der Melodieseite meines Wienerörgelis aus Blech anfertigen zu lassen. Damit wollte ich den Klang meines Instrumentes gezielt beeinflussen.
Vom Gedanken zur Tat
Mein Wienerörgeli mit Tremolo-Stimmung klingt wunderbar, aber mir war aufgefallen, dass diatonische Akkordeons – wie sie etwa in Irland gespielt werden – ein besonders helles und durchsetzendes Klangbild haben. Was ist ihr Geheimnis? Die Antwort liegt teilweise in der Konstruktion: Viele dieser Instrumente haben ein sogenanntes «Diskantverdeck» aus Metall statt aus Holz. Das «Diskantverdeck» ist der Deckel über der Mechanik und den Klappen auf der Melodieseite – manche nennen es einfach «Deckel» oder beim Akkordeon auch «Grill». Bei Herstellern von steirischen Akkordeons hatte ich gesehen, dass man dieses Verdeck als Wahlmöglichkeit in Metall oder Holz bestellen kann. Das hat mich bestätigt.
Warum Materialien den Klang verändern
Um zu verstehen, warum diese kleine Veränderung einen solchen Effekt hat, hilft ein einfacher Gedanke: Das Material eines Instrumentes nimmt Schwingungen auf und verändert sie je nach seinen Eigenschaften. Weiches Holz wirkt wie ein Dämpfer – es schluckt Vibrationen und macht den Klang wärmer, aber auch etwas dumpfer. Metall dagegen wirkt wie ein Verstärker: Es vibriert leicht mit und gibt die Schwingungen energischer ab. Das Chromstahl-Blech, das wir für mein Verdeck gewählt haben, ist bewusst dünn gearbeitet, damit es gut in Schwingungen kommt und den Ton gezielt verändert.
Was hat sich wirklich verändert?
Offen gesagt waren wir alle zuerst unsicher, wie spürbar der Unterschied sein würde. Doch es gibt definitiv einen klaren Klangunterschied: Das Instrument klingt insgesamt heller, und die hohen Töne sind kräftiger. Mein Test ergab, dass der Unterschied auch von Laien wahrgenommen wird – es ist kein subtiles Phänomen, das nur Spezialisten hören.
Ein zusätzlicher Gewinn: Das Chromstahl-Blech gefällt mir auch optisch ausgezeichnet. Es verleiht meinem speziellen Örgeli einen gesonderten Look.
Tipps für die Praxis
Wenn dich dieses Experiment reizt, lohnt es sich, mit deinem Instrumentenbauer zu sprechen. Mein Diskantverdeck wurde von Reist Schwyzerörgelibau mit grösster Sorgfalt als Sonderanfertigung erstellt – herzlichen Dank dafür!
Fazit
Kleine Veränderungen an einem Instrument können grosse akustische Auswirkungen haben. Das Diskantverdeck aus Blech ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Materialwahl die Klangfarbe des Örgelis prägt. Es zeigt auch: Es lohnt sich, genau hinzuhören und zu experimentieren – und dabei die erfahrenen Instrumentenbauer an deiner Seite zu haben.
Hast du auch schon Erfahrungen mit derartigen Veränderungen an deinem Instrument gemacht? Was denkst du über diese Änderung? Schreib mir gerne einen Kommentar – ich freue mich auf den Austausch mit dir!
3 Kommentare
salü haeme
sehr interessant und ästhetisch schon mal sehr schön.., dein impuls mit dem diskantverdeck…!
ich spiele auf einem spörri wiener-örgeli / 36 bässen (mollbassreihe), nachdem ich viele jahre auf eine reist-turbo gespielt habe.
nun macht mir die konstruktion (gerades bassbrett) mühe und ich habe mich entschieden die spörri orgel zu verkaufen und eine
reist-wiener oder eine flugo-wiener zu kaufen…
was kannst du mir – aufgrund deiner erfahrungen – raten?
vielen dank im voraus für deine rückmeldung..
liebe grüsse
hansueli eggimann, grosshöchstetten
Lieber Hansueli – Reist wie Flugo sind grossartige Instrumente. Letztlich ist es eine Preisfrage und auch eine Geschmackssache. Wobei ich nicht sage, dass der Preis bei Flugo zu hoch ist. Der Preis ist gerechtfertigt, weil sehr viel Handarbeit dahinter ist.
Ich musste mich nicht entscheiden, weil ich eine Wiener mit Register wollte, die macht Flugo (noch) nicht.
Salü Hanspeter,
der Ton deines Örgeli’s hat tatsächlich einen speziellen Effekt, mit der Abdeckung aus Chromstahl !!! Übrigens es passt jetzt auch sehr gut mit dem Tremolo-Register der Hohner Gola zusammen ….