Akkordeonist, Schwyzerörgeler mit Computer

Was bedeutet KI für die Volksmusik?

Die künstliche Intelligenz (KI) hat längst auch die Musikwelt erreicht – und das rasant schneller, als viele gedacht haben. Wenn in Spotify mittlerweile jeder fünfte neue Song über KI erzeugt wurde, fragst du dich vielleicht: Was bedeutet das für meine Musik? Keine Sorge – in diesem Artikel zeige ich dir, was KI für die Volksmusik wirklich bedeutet und warum die meisten von uns nicht nervös sein müssen.

Die Zahlen sind beeindruckend

Bereits rund 20 Prozent der neu hochgeladenen Songs auf Plattformen wie Spotify stammen von künstlicher Intelligenz. Die Motivation dahinter ist durchschaubar: Aufwand für Studio und Musikergage sparen. Dabei die Urheberrechtskosten reduzieren, denn mehrheitlich durch KI generierte Songs fallen nicht unter Urheberrechtsschutz.

Klanglich wirken viele dieser Produktionen noch etwas künstlich und leblos. Doch seien wir ehrlich: Die Qualität nimmt rasant zu. Mit Tools wie Suno kannst du selbst experimentieren – es ist faszinierend und manchmal auch ein wenig gruselig.

Wo KI-Musik sinnvoll ist

Oft reicht die Qualität von KI-generierter Musik vollkommen aus. Im Fahrstuhl, im Einkaufszentrum oder Restaurant als Hintergrund? Perfekt. Auch für Filme als Platzhalter während der Produktion ist KI mittlerweile Gold wert.

KI in der Praxis

Ich nutze die Pro-Version von Suno. Damit habe ich ein paar Beispiele generiert, die ich dir hier vorstelle.

Country

Ich habe einen Song über diesen Blog erstellt: ChatGPT verfasste den Liedtext, Suno generierte daraus mit Standardeinstellungen eine Countrysong-Komposition. Gesamtaufwand: 5 Minuten.

«oergele blog»-Song. Erstellt ohne manuelle Einstellungen.
Den Liedtext von ChatGPT schreiben lassen.
Vorgaben («Prompts») in Suno für den Countrysong. Die Anweisungen könnten auch in Deutsch geschrieben werden. Doch mit dem Englischen ist man auf der sicheren Seite.

Jingle

Zweite Aufgabe für die KI: Einen Jingle, den ich vorn an Video- und Audiobeiträge einfügen kann:

Jingle, erstellt in Suno. Aufwand: 2 Minuten.

Eigene Aufnahme von der KI begleiten lassen

Dann habe ich meine Amateuraufnahme von «Isabelle & Peter» auf Suno hochgeladen und möchte diese gerne mit einer Orchesterbegleitung versehen lassen. Noch hat es harmonische Fehler, vorwiegend im Bass. Leider lassen sich diese nicht gezielt korrigieren, ich müsste an der fehlerhaften Stelle wieder mit KI eine andere Bass-Variante erstellen lassen. An dieser Stelle wünschte ich mir einen MIDI-Export, den ich im Audioprogramm gezielt verbessern könnte. Das ist leider noch nicht vorgesehen. Trotzdem klingt das Endresultat bereits erstaunlich gut:

Eigenen Song von der KI begleiten lassen.
Im Suno-Studio: Die oberste Spur enthält meine selbst aufgenommene Örgeli-Aufnahme. Die übrigen Spuren wurden automatisch generiert und bilden die Begleitung.

Ergänzung 23. Dezember 2025: Hier ein weiteres Beispiel, in dem ich zwei echte Instrumente mit der KI erweitert habe. Auf dieser Smartphone-Aufnahme von «Yuna» spielt Peter Zulauf Bass-Saxophon und ich spiele Schwyzerörgeli, während Schlagzeug, Violine, Chor und Visuals durch KI entstanden sind.

Was KI für die Ländlermusik bedeutet

Das Gute: KI kann nicht erfinden, nur kombinieren

KI entwickelt keine neuen Genres. Sie funktioniert mit Wahrscheinlichkeitsberechnung – sie kombiniert und mixt aus bestehendem Material. Schweizer Ländlermusik ist international kaum verbreitet und daher nicht als eigener Stil in den KI-Modellen vorhanden. Es ist jedoch eine Frage der Zeit, bis eigene Instrumentenkombinationen generiert werden können.

Der kreative Prozess bleibt wertvoll

Wenn du eine Komposition schreibst, im Studio sitzt und dein Örgeli, dein Akkordeon oder dein Klavier aufnimmst, dann geht es um weit mehr als das Endprodukt. Der Weg dorthin ist eine wunderbare, kreative Beschäftigung – den kannst du nicht so einfach der Maschine überlassen. Das Handwerk, die Geduld, das Experimentieren: Das ist das, was Musik lebendig macht.

Allerdings müssen solche natürlich erstellten Produktionen finanzierbar sein. Ja, die Anzahl von selbst eingespielter Musik wird wohl abnehmen – nicht weil sie schlecht ist, sondern weil sie zu teuer ist. Das ist die harte Realität.

KI ist kein Alles-oder-Nichts

Wichtig zu verstehen: KI bedeutet nicht zwingend, dass die Musik im Computer entsteht. KI-Tools können Musikerinnen und Musiker unterstützen – bei der Produktion, beim Mix, beim Mastering. Du bist immer noch die Person, die entscheidet, was am Ende herauskommt.

Das Geheimnis der Live-Musik

Und jetzt zum Entscheidenden: Gerade weil es automatisch generierte Musik gibt, wertet das die Live-Musik auf. Das ist kein Nachteil – das ist eine Chance.

Stell dir vor: Ein KI-generiertes Stück ist immer gleich. Jede Wiederholung identisch. Bei dir aber passiert etwas ganz anderes. Du spielst keine zwei Konzerte gleich. Das Publikum ist unterschiedlich, deine Tagesform wechselt, die Chemie mit den anderen Musikern und Musikerinnen ist einzigartig. Ein gelungenes Konzert ist nicht nur die richtige Abfolge von Tönen – es ist Interaktion, Spannung, Spontanität, Emotion. Das kann keine Maschine erzeugen. Das ist das, worin die Zukunft der Volksmusik liegt: in dir, der Kapelle und euren Gästen, nicht im Computer.

Was denkst du über KI? Verwendest du KI? Bekämpfst du KI? – Schreibe deine Meinung unten in die Kommentare.

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6 Kommentare

  1. Lieber Häme
    Danke für deine super Beiträge!
    Tönt definitiv besser ohne KI 🙂
    Ist ja ein großes Thema. Auch die ganzen Apps die auch für Örgeler hilfreich sind, sind schon toll.
    Erschrocken bin ich jedoch, dass zwischen 154 -435 Millionen Datenarbeiter Weltweit die KI füttern, wie zBsp. SRF in verschiedenen Sendungen berichtet. (Die Sendungen informieren aus meiner Sicht sehr ausgewogen über Nutzen und Schaden im Zusammenhang mit KI)
    Das relativiert dann die „Leistung“ der KI schon etwas.(und ob diese Menschliche Intelligenz vielleicht intelligenter eingesetzt werden könnte).
    Auf Ricardo sehe ich immer wieder selbstspielende Örgeli mit Kassette.
    Wahrscheinlich war die Kassette auch ein gutes Werkzeug zum Stücke lernen, aber damit auftreten.. Lustig für den der es gebaut hat, aber für die Zuhörer?
    Wie auch immer, ich freue mich auf deine Musik, vor Ort, im Moment.
    Herzliche Grüße und weiter so!
    Mätl

    1. «Musik vor Ort» – das ist es! Und dieses Erlebnis wird durch die KI noch wertvoller! KI ist noch crazy und holprig. Und es schreibt auch keine einzige KI-Firma im KI-Bereich schwarze Zahlen. Schon verrückt. Und trotzdem setzt sie sich durch, ich bin selbst reger Benutzer. Solange die KI keine Örgeli-Blogs betreibt, mache ich weiter 😉

      Lieb grüsst
      Haeme

  2. Hoi Häme. Ein sehr interessanter Beitrag, der einem zu denken geben könnte. Beruhigend ist jedoch die Tatsache, dass wir als lndividuen einzigartig sind und auch bleiben werden aus den von dir aufgezeigten Eigenschaften, welche KI wenigsten vorläufig nicht bieten kann. Danke für deine interessanten Artikel, welche ich stets mit grossem Interesse lese. Nun wünsche dir noch ein schönes Weihnachtsfest. Gruss Schang

  3. Interessanter Beitrag. Genau wie die KI-generierten Bilder kommen auch die Musikstücke daher: überschärft, steril und glashart. Ich weiss nicht, ob man dies überhaupt korrigieren kann. Vielleicht ist so, dass vor lauter Euphorie, dass das überhaupt technisch möglich ist, die Qualität und das Authentische zu kurz kommt. Etwas mehr Bescheidenheit und kritischer Sachverstand wäre oft angebracht – dies kann man aber leider nicht mit KI generieren… Mit Gruss

  4. Ein echter Mehrwert dieser Blog. Deine Beiträge sind auch für den Nicht-Örgeler interessant. Wirklich spannend wird’s mit der Implikation der KI. Verstehe zwar wenig davon aber dein Artikel hat meine Neugier geweckt. Besten Dank.

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