Das typische «Zittern» im Schwyzerörgeli- und Akkordeonklang hat einen Namen: Tremolo. Dahinter steckt ganz clevere Physik.
Was ist Tremolo?
Beim Örgeli und Akkordeon klingen pro Ton mindestens zwei Stimmzungen – fast gleich gestimmt, aber eben nur fast. Die winzige Verstimmung lässt die Schwingungen der beiden Zungen interferieren, die Lautstärke «pulsiert» sanft. Das ergibt diesen typisch schwebenden, leicht zitternden Klang.
Faustregel: Je grösser die Verstimmung, desto schneller und kräftiger das Tremolo. Bei kleiner Abweichung wirkt es nur leicht breiter – fast wie ein Chorus-Effekt.
Tremolo im Vergleich
Die Stimmungen im Überblick
Berner Stimmung – kaum Tremolo
Maximal 5 Cent Abweichung der beiden Töne, keine hörbare Schwingung. Beim zweichörigen Instrument werden der tiefe und der hohe Ton leicht gegenläufig verstimmt.
Hintergrund: Der tiefe Ton wird etwas zu hoch gestimmt und der hohe Ton (Oktave) etwas zu tief. Durchs Spielen wird nämlich der tiefe Ton etwas tiefer und der hohe Ton etwas höher. Würden die beiden Töne auf exakt die gleiche Frequenz gestimmt, würde beim Spielen ein ungewolltes Tremolo entstehen.
Tremolo-Varianten
Um Tremolo zu erzeugen, werden grundsätzlich die beiden Töne auf der gleichen Oktave gegeneinander verstimmt.
Innerschweizer Stimmung – Tremolo
Die Töne in der höheren Oktave werden gegeneinander verstimmt: tiefere Töne 10 bis 12 Cent, höhere Töne 6 bis 7 Cent. Zum Vergleich: 50 Cent entsprechen einem Halbton. Das Ergebnis ist ein warmes, charakteristisches Tremolo.
Wiener Ton – kräftiges Tremolo
Beim Wiener Ton erklingt der Grundton zweimal (keine Oktave). Die beiden Töne werden mit bis zu 20 Cent Unterschied gestimmt – fast ein Viertelton. Das ergibt ein deutlich ausdrucksstarkes Tremolo, eben den typischen Wienerklang.
Bonus – Halbwiener
Es gibt zwei Bauweisen, die beide als «Wiener» bezeichnet werden: Entweder zwei tiefe und ein hoher Ton (Tremolo mit den tiefen Tönen) oder ein tiefer und zwei hohe Töne (Tremolo mit den hohen Tönen).
Ob sanftes Schweben oder kraftvolles Zittern – das Tremolo ist das Herzstück des Klangs. Welche Stimmung dein Instrument hat, prägt deinen ganz eigenen Sound.
Welche Stimmung bevorzugst du – Berner, Innerschweizer oder Wiener? Schreib es in die Kommentare, ich bin neugierig auf deine Erfahrungen!
9 Kommentare
Auch für mich gilt genau wie Roland Zwygart beschreibt: Ich bevorzuge die Berner Stimmung.
Da im Berner Stil die meisten Stücke zweistimmig gespielt werden, entsteht bei tremolierten Instrumenten nach meiner Meinung ein Klang den ich als äusserst unangenehm empfinde.
Aber Innerschweizer und Bündner Stücke, welche einstimmig gesetzt werden, sind mit Tremolo klar im Vorteil.
Der klare Klang der Berner Stimmung ohne Tremolo hat viel für sich und spielt seine Stärke meiner Meinung nach am besten beim Spiel in der Formation aus, insbesondere bei schnell gespielten Stücken mit eher perkussiver Bassbegleitung. Derzeit spiele ich ein 3-chöriges Ott-Örgeli mit Innerschweizer Stimmung und einem sanften, warmen Tremolo. Der Klang hat mich spontan begeistert. Ich finde es ideal für Solospiel und es ist deutlich „verträglicher“ bei verschiedenen Musikstilen. Stücke für Steierische Harmonika passen sehr gut, ebenso Volkston-Lieder, Schlager, sogar Bossa Nova funktioniert fein, denn klanglich ist es irgendwo zwischen Schwyzerörgeli und Akkordeon angesiedelt. Natürlich ist es auch sehr schön zu traditioneller Schweizer Volksmusik, aber die Einsatzmöglichkeiten finde ich breiter als bei der Berner Stimmung. Nun überlege ich ein Wiener Örgeli anzuschaffen, mit vielleicht 10-15 Cent Tremolo, was die Skala noch etwas mehr in Richtung Akkordeon verschiebt.
Was mir von der Bezeichnung noch nicht ganz klar ist: Ist eine „Halbwiener“ nichts weiter als ein 3-chöriges Örgeli mit Innerschweizer Stimmung, oder was ist genau das charakteristische?
Lieber Florian
Halbwienerorgeln sind wie du richtig schreibst von der Stimmenzusammenstellung ähnlich wie eine Innerschweizerstimmung. Jedoch sind die Stimmen auf Stimmstöcken und nicht am Resonanzkasten. Es entsteht ein ganz eigener Klang. Rees Gwerder spiele die Halbwienerorgel sehr gerne, viele seiner Stücke sind mit Halbwienerorgel aufgenommen.
Eine zweite Variante die auch Halbwienerorgel genannt wird. (Wie von Haeme beschrieben) Ist Wiener (Doppelgrundton) + 1 Hochoktave. So spielen sich die tiefen Töne bei einer Wiener etwas eleganter und das Örgeli ist auch etwas breiter einsetzbar als vielleicht eine normale Wiener.
Zusammengefasst sind Halbwiener irgendwo zwischen Wiener und Innerschweizerstimmung, die durchaus charakteristische Zwischenvarianten bieten können.
Jährlich findet in der Bernerhöchi in Goldau auch ein Wiener und Halbwienertreffen statt. Diese Jahr am 16. mai 😉
Lieber Ädu,
vielen Dank für deine Antwort, da habe ich definitiv etwas dazugelernt! So eine Halbwiener mit Stimmstöcken muss ich mir auf jeden Fall einmal näher ansehen/-hören (:
Ich bevorzuge die Berner Stimmung. Da im Berner Stil die meisten Stücke zweistimmig gespielt werden, kommt beim Tremolo zu viel Biss. Aber Innerschweizer und Bündner Stücke, welche einstimmig gesetzt werden, sind mit Tremolo klar im Vorteil.
Ich habe und spiele ein Örgeli mit innerschweizer Stimmung und träume von einem Instrument mit Wienerstimmung. 😊
Ich liebe die verschiedenen Stimmungen, je nach Stück und anderen Instrumenten. Abwechslung macht das Leben süss!
Definitiv Innerschweizer. Alles andere hat zuwenig Biss, um im Bündnerstil 2 Klarinetten fätzig zu begleiten.
Innerschweizer Stimmung