Akkordeonist mit Lampenfieber

Die besten Tipps gegen Lampenfieber

Die Hände werden feucht, das Herz klopft bis zum Hals. Und plötzlich weisst du nicht mehr, wie dein erstes Stück anfängt. Lampenfieber erwischt fast jeden Musiker und jede Musikerin – mich auch. Die gute Nachricht: Du kannst lernen, damit umzugehen. In diesem Artikel zeige ich dir bewährte Strategien, die dir helfen, entspannter auf die Bühne zu gehen.

Vorbereitung ist das halbe Konzert

Üben – aber richtig

Der wichtigste Schutz gegen Lampenfieber liegt in deiner Vorbereitung. Fang frühzeitig an und arbeite gezielt an schwierigen Stellen. Übe sie isoliert und langsam – denn wenn deine Finger und dein Kopf das Material wirklich beherrschen, hat die Nervosität weniger Angriffsfläche.

Simuliere den Ernstfall

Probiere deine Stücke unter realistischen Bedingungen: Zieh deine Auftrittskleider an, stelle eine Kamera auf – schon das Wissen, dass eine Aufnahme läuft, erzeugt einen ähnlichen Druck wie echtes Publikum. Je öfter du solche Situationen durchlebst, desto normaler fühlen sie sich an.

Visualisiere deinen Erfolg

Stell dir vor dem Auftritt im Detail vor, wie alles gut läuft: Du spürst die Bühne unter deinen Füssen, hörst den schönen Klang, siehst die wohlwollenden Gesichter im Publikum, spürst den Applaus. Diese positive Visualisierung programmiert dein Nervensystem auf Sicherheit statt auf Gefahr.

Kenne den Ort

Komm rechtzeitig am Veranstaltungsort an. Teste die Akustik, gewöhne dich ans Licht, richte dich ein. Vertrautheit nimmt der Umgebung ihr Bedrohliches.

Dein Kopf: vom Feind zum Freund

Stelle deine Gedanken um

Unser Gehirn liebt Katastrophenszenarien: «Was, wenn ich hängen bleibe?» Unterbreche diesen Kreislauf bewusst. Sage dir stattdessen: «Ich kenne meine Stücke. Ich bin dankbar, dass ich hier meine Musik votragen darf.» Diese kognitive Umfokussierung reduziert nachweislich die Leistungsangst.

Frag dich: «Was ist mein Auftrag hier?» – Musik machen, eine «Geschichte» erzählen, eine schöne Stimmung schaffen. Nicht mehr und nicht weniger.

Das Publikum ist auf deiner Seite

Mach dir klar: Niemand sitzt da, um Fehler zu zählen. Die Leute sind gekommen, um deine Musik zu geniessen, um die Atmosphäre zu erleben. Die Gäste wünschen dir einen gelungenen Auftritt.

Mit den Tipps hier reduzierst du dein Lampenfieber auf ein Minimum.

Körper und Gedanken im Einklang

Rituale schaffen Sicherheit

Entwickle eine feste Routine vor Auftritten: ein bestimmtes Aufwärmen und Einspielen. Auch ein paar Minuten bewusstes Atmen. Solche Rituale geben dir Halt und signalisieren deinem Körper: «Ich bin vorbereitet, ich bin bereit.»

Sorge für dich selbst

Schlafe ausreichend, iss moderat (kein voller Bauch kurz vor dem Auftritt!), trink genug Wasser und beweg dich. Ein kurzer Spaziergang oder leichtes Dehnen vor dem Konzert baut Stresshormone ab und lockert die Muskulatur. Ein gut versorgter Körper reagiert gelassener auf Stress.

Während des Auftritts

Fokus auf die Musik

Lenke deine Aufmerksamkeit weg von dir selbst und hin zur Musik: Wie klingt dieser Ton? Wie gestalte ich diesen Abschnitt? Welche musikalische Geschichte erzähle ich gerade? Wenn du dich auf den musikalischen Ausdruck konzentrierst statt auf dein Herzklopfen, verliert die Nervosität ihre Macht.

Fehler? Weiter geht’s!

Wenn etwas schief läuft: Lass es los und spiel weiter. Das Publikum bemerkt kleine Ausrutscher oft gar nicht. Dein Ziel ist eine bewegende Darbietung, keine fehlerfreie. Gib dir selbst die Erlaubnis, menschlich zu sein – Perfektion ist nicht das Ziel, Authentizität schon.

Akzeptiere die Nervosität

Versuche nicht, deine Aufregung komplett zu eliminieren. Ein gewisses Mass an Nervosität ist normal und kann sogar hilfreich sein – deute sie um als positive Energie, die dich wach und konzentriert hält.

Nach dem Auftritt

Nimm dir Zeit für eine kurze Reflexion: Was lief gut? Was möchtest du beim nächsten Mal anders machen? Mit jedem Auftritt wächst deine Erfahrung und die Routine senkt langfristig die Lampenfieberintensität.

Fazit

Vergiss den Mythos, dass wahre Profis keine Aufregung mehr kennen. Wer vor einem Auftritt keine Anspannung mehr spürt, läuft Gefahr, in eine Gleichgültigkeit abzugleiten. Mit diesen Tipps kannst du jedoch lernen, mit Lampenfieber umzugehen. Die Kombination aus gründlicher Vorbereitung, mentalen Strategien und Selbstfürsorge macht den Unterschied.

Welche Erfahrungen und Tipps hast du mit Lampenfieber? Schreibe sie unten in die Kommentare!

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15 Kommentare

  1. Danke für die wertvollen Tipps. Bei mir immer ein Thema.
    Das VSV bietet übrigens auch Kurse zur Bühnenpräsenz an, da haben wir uns angemeldet. Vielleicht glänze ich mit deinen Tipps🫣 wenn ich vorab viel übe…

  2. Hallo
    am Anfang mit einfacheren Stücken aus dem Repertoire starten. Diese sitzen meistens besser und sind im Notfall einfacher zu retten. Nach den ersten Stücken verschwindet auch die Nervösität oder wird zumindest kleiner.
    Mit musikalischem Gruss
    Thomas Camenzind

  3. Zuerst besten dank für die regelmässig verfassten Artikel – sind echt gut. Auch dieser Artikel top.
    Empfehlen kann ich aus eigener Erfahrung auch mentales Training, hat mir persönlich viel geholfen

  4. Sehr gut geschrieben Haeme,
    Besonders gefällt mir deine Aussage:„das Publikum wünscht dir einen guten Auftritt“ es stimmt auch und die Leute sind gekommen um dich zu hören, dies spornt mich auch noch zusätzlich an es gut zu machen.
    Das Adrealin tut das übrige vielmals spiele ich vor Puplikum wie ichs in der Probe nie könnte.

    1. Stimmt genau und sehr gut aufgelistet Danke Häme, dass du so viel Zeit nimmst für deine guten Sachen. Weiter so und immer viel Erfolg.

    2. Das kann ich nur bestätigen, liebe Irene!
      Ich hätte anfangs nie geglaubt, dass ich Auftritte irgendwann richtig geniessen kann 😃😇!

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